1134 – Neben dem Gasthaus „Zur Linde“



Ein junges Liebespaar bahnt sich seinen Weg durchs Gebüsch, hier seitlich vom Saal des Gasthaus „Zur Linde“. An einer Stelle, wo das Gras nicht so hochsteht, lassen sich die beiden nieder, wollen sich küssen, als sie plötzlich innehalten und den toten Glasisch auf dem Gras nur einige Meter neben ihnen liegen sehen.

JUNGER MANN Das ist ja der Glasisch.

MÄDCHEN Der ist ja tot.

Auf dem Kirmes geht der Trubel inzwischen weiter. Einige Leute haben sich eingefunden und tragen Glasisch ums Wirthaus, wo sie ihn auf ein Bett legen.

JUNGER MANN Hei, was ist denn passiert mit dem Glasisch?

1.MANN Regt Euch net auf, ihr könnt ruhig weiter machen! (zum 2. Mann) Komm, wir legen ihn da rein. Bis Morgen, gell.

Damit die Kirmes net gestört wird.

2.MANN Ja, sonst ist die ganze Stimmung weg.

1.MANN Ja, es war ja doch ein armer Mann.

2.MANN Ja, ist gut, daß er es überstanden hat.

So lassen sie Glasisch alleine im Zimmer liegen und gehen zurück auf die Kirmes.



1135 – Schabbacher Kirmes



Die Stimmung auf der Kirmes ist unverändert gut. Die Kapelle spielt das Lied „Wenn wir alle Englein wären, da wär das Leben nur halb so schön.“ Anton sieht alles nur noch verzerrt und es beginnt sich alles um ihn herum zu drehen. Die Geräusche werden immer dumpfer, bis Anton gar nichts mehr hören kann. Anton erleidet einen Hörsturz.

ANTON (erschrocken) Ho, ho, hoooo....

Anton kann sich nicht mehr auf den Beinen halten, läßt sich an der Hausmauer entlang auf den Boden gleiten. Martha und Marlies finden ihn so hilflos am Boden sitzen. Ihre Fragen kann Anton nicht verstehen. Er hört gar nichts mehr. Marlies hält ihm einen Zettel entgegen, auf den sie geschrieben hat: „Vati, mach dir nichts draus. Das ist ein Hörsturz! Das kommt vom Streß und Vitaminmangel.“



1136 – Felder und Wiesen vor Schabbach



Es ist einige Zeit seit der Kirmes vergangen. Schon etwas bräunlich liegen die Felder und Wiesen vor Schabbach da. Grillen zirpen hier und da.



1137 – Schieferhöhle



In der Schieferhöhle sind Mikrophone aufgestellt und ein großer Chor singt eine Komposition mit dem Text von Hermann. Alle haben Kopfhörer auf, Kabel führen aus der Höhle hinaus zu einem Übertragungswagen des Rundfunkes, der eine Aufzeichnung des Konzertes in der Schieferhöhle macht.

CHOR Ue, unne, vore, hinne Drue, drunne, drauße, drinne Loo, doo, hie Frickelscher un Kieh Knäpperscher, Krieschele, Wehle un Schlehe Verziehlscher, Geheischnis. Eisch, meisch, deisch ue, unne, vore, hinne loo, doo, hie Frickelscher un Kieh Knepperscher, Krieschele, Wehle un Schlehe Verziehlscher, Geheischnis. Vatter, Mutter, Kinn Unkel un Gesinn die Goot und der Pat, im Himmel schwätzen sie Hunsrücker Platt.

Hermann sitzt während der Aufzeichnung im Aufnahmewagen außerhalb der Schieferhöhle, hört über Kopfhörer die Aufnahme mit. Plötzlich steht Hermann langsam auf, zieht die Kopfhörer ab und geht zur Türe, die ins Freie führt. Er sieht hinaus über die Felder und Wiesen vor Schabbach, bis sich sein Blick in der Landschaft des Hunsrücks verliert. Ein Lächeln ist in sein Gesicht gezeichnet.